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Beute Mensch

Konzerttheater Bern, 2013

Beute Mensch, Nina Gühlstorff
Beute Mensch, Nina Gühlstorff

© Annette Bouttellier

Beute Mensch, Nina Gühlstorff

© Annette Bouttellier

Beute Mensch, Nina Gühlstorff
Beute Mensch, Nina Gühlstorff

© Annette Bouttellier

Beute Mensch, Nina Gühlstorff

© Annette Bouttellier

Beute Mensch, Nina Gühlstorff

© Annette Bouttellier

Beute Mensch, Nina Gühlstorff

© Annette Bouttellier

Beteiligte

Regie

Nina Gühlstorff

Ausstattung

Katrin Frosch

Musik

Michael Frei

Dramaturgie

Jan Stephan Schmieding

Mit

Philine Bührer, Henriette Cejpek, Annalena Fröhlich, Pascal Goffin, Stephane Maeder, Andri Schenardi, Franziska Schubert sowie Robin Adams, Claude Eichenberger, Alexander Ott und Aktivist*innen der Initiative “Keine Hausarbeiterin ist illegal”

Presse

«Was dort gezeigt wird, begeistert – wie bereits der Auftakt auf der grossen Bühne des Theaters. Da streiten sich drei um ein Stück Kreatur, das sie sich für ihre Bedürfnisse erschaffen wollen wie einst in der Schauermär die drei Sennen ihr Tuntschi: Ein Sexspielzeug will der smarte junge Mann, eine omnipräsente gute Seele für Haushalt und Kinderbetreuung wünscht sich die Geschäftsfrau, eine 24-Stunden-Pflegemagd der alte Mann, und billig sollten sie alle sein. Wie der Umgang mit diesem gefragten Material sich so gestaltet, das erfährt man in intimen Kabinettauftritten. Dicht gedrängt sitzt Grüppchen um Grüppchen im Büro von Alexander Ott. Dem Chef der Fremdenpolizei gelingt es eindrücklich mit seinem selber verfassten knappen Text, sowohl das tagtägliche Dilemma der Behörden als auch das ganze Ausmass von Menschenhandel aufzuzeigen, einem Geschäft, das heute lukrativer ist als der Drogen- und Waffenhandel.»

— Der Bund, 10. Juni 2013

Beute Mensch, Logo

Wer braucht, gebraucht, verbraucht wen für was?

Handel, Industrie, Dienstleistung – alles funktioniert heute global, wer nur in regionalen oder nationalen Grössen denkt, hat am neoliberalen Markt wenig Chancen. Durch die Globalisierung hat sich aber auch der Mensch immer mehr in eine Ware verwandelt, die nach Bedarf eingekauft, transportiert, benutzt und abgestossen wird. Mobil soll sie sein und flexibel, stressresistent, günstig und jederzeit ersetzbar. Menschliche Arbeitskraft in der Postmoderne – freigegeben für jegliche Art von Fremd- und Selbstausbeutung. Wo beginnt Menschenhandel, inwieweit ist er Teil unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit, wo geht es raus aus diesem Kreislauf ? Und was macht man, wenn das Kapital das Menschliche am Menschen auffrisst?

Im Mittelpunkt dieses Stadt-Theater-Parcours von Nina Gühlstorff und Kathrin Frosch steht die zunehmende Kapitalisierung und Ökonomisierung des menschlichen Körpers am Beginn des 21. Jahrhunderts. Ob der käufliche Sex aus Osteuropa oder die gütige helfende Hand der privaten Pflege – sie sind zum kleinen Preis rund um die Uhr verfügbar.Dazu diktieren Verordnungen und Gesetze peinlich genau, wer wann wo sein, leben und arbeiten darf und wer nicht. Im Alltag von Pendelmigrantinnen und «Kabaretttänzerinnen» – so der Behördenjargon für Sexarbeiterinnen – werden Begriffe wie Familie und Heimat ad absurdum geführt. Wer pflegt eigentlich die Eltern der “Perle aus Polen”?

«Beute Mensch» spürt diesen Entwicklungen auf unterschiedlichen Ebenen, dokumentarisch und theatral, nach und fragt, wie viel Sklave in uns allen steckt.

Der Stadt-Theater-Parcours führt das Publikum über den Zuschauerraum hinaus hinter die Bühne des Stadttheaters, aber auch an private und öffentliche Orte der Stadt – etwa die französische Kirche und in das Büro des obersten Fremdenpolizisten von Bern.