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Zersplittert — DSE von Alexandra Badea

Schauspielhaus Graz, 2015

Regie: Nina Gühlstorff, zersplittert, Alexandra Badea,

© Lupi Spuma

Regie: Nina Gühlstorff, zersplittert, Alexandra Badea,

© Lupi Spuma

Regie: Nina Gühlstorff, zersplittert, Alexandra Badea,

© Lupi Spuma

Regie: Nina Gühlstorff, zersplittert, Alexandra Badea,

© Lupi Spuma

Beteiligte

Regie

Nina Gühlstorff

Bühne

Frank Holldack

Kostüme

Myriam Casanova

Dramaturgie

Elisabeth Geyer

Mit

Philine Bührer, Pascal Goffin, Nico Link, Tamara Semzow

www.schauspiel-graz.com

Vier Menschen auf drei Kontinenten am Morgen eines neuen Tages; sie alle arbeiten für das gleiche weltweit operierende Kommunikationsunternehmen. Auf den ersten Blick könnten die Jobs und Arbeitsbedingungen dieser Vier unterschiedlicher nicht sein. Der französische Qualitätsmanager weiß morgens nicht mehr, in welcher Stadt er sich befindet. 48 der nächsten 122 Stunden wird er im Flieger verbringen, um in den Bereichen Entwicklung, Produktion und Kundenbetreuung nach dem Rechten zu sehen. Die chinesische Fertigungskraft steht ihre 10-Stunden-Schichten auf weniger als einem Quadratmeter Fläche am scharf überwachten Fließband durch. Tausende Kilometer westlich, in Dakar, drillt ein senegalesischer Teamleiter seine Callcenter-Mitarbeitenden auf ganz für den französischen Absatzmarkt ausgerichtete Kundenfreundlichkeit. In Bukarest versucht derweil eine Entwicklungsingenieurin, dem Unternehmenscredo „Unser Ziel ist Exzellenz“ nachzukommen – ein neuer Job in der Firmenzentrale in Frankreich winkt.

Was diese vier Menschen eint: Der globalisierte Arbeitsmarkt hat ihr privates Leben quasi pulverisiert. Die Arbeit allein bestimmt ihren Tagesablauf. Durch Liefer- und Leistungsdruck, Selbstverwirklichungszwang und menschenverachtende Routinen haben sie die Fähigkeit verloren, echte Beziehungen zu leben und sich daran zu erinnern, was sie sich eigentlich wünschen. Wie weit sie dabei von ihren Familien, Freunden und Lebensträumen weggedriftet sind, wird ihnen in einem fast zwanghaften Alltag nur schemenhaft deutlich.

Der gefühllos gewordene Vielflieger und die Fließbandarbeiterin, der verboten wird, auf die Toilette zu gehen, werden, wie ihre beiden Kollegen, in Alexandra Badeas Collage zu plastischen Beispielen dafür, wie der globalisierte Wettbewerb Menschenleben in grotesker Weise deformiert und entfremdet. Sie wirft die Frage auf: Gibt es eine Exit-Strategie? Schaffen wir es, aus dem Karussell auszusteigen, bevor es überdreht?

Pressestimmen

Die Probebühne des Schauspielhauses nennt sich unter Neo-Intendantin Iris Laufenberg zwar Haus Zwei, doch die Premiere von Alexandra Badeas ‚Zersplittert‘ verspricht auch hier nur Theater erster Klasse. […]. Ihre [Nina Gühlstorffs] Inszenierung findet einen sehr variablen Grundton zwischen stiller Verzweiflung, bizarrer Komik, orientierungsloser Anklage und wirkungslosen Exit- Strategien. Auf diesem Spielplatz der Selbstausbeutung laufen Nico Link, Pascal Goffin, Tamara Semzov […] und Philine Bührer zu darstellerischen Höchstleistungen auf. Sie verleihen ihren Figuren scharfe Konturen, lassen den Text in chorischen Momenten aber auch herrlich zwischen den Figuren schweben und unterstreichen damit nicht nur die globale Dimension dieses Dramas sondern letztlich auch die Austauschbarkeit des Billigmaterials Mensch. Das Resultat ist auf allen Ebenen von höchster Brisanz und Qualität. Viel optimaler hätte man sich den Auftakt im Haus Zwei nicht vorstellen können.

— Kronenzeitung

Regisseurin Nina Gühlstorff zeichnet das beklemmend vertraute Bild einer Arbeitswelt zwischen Hysterie und Melancholie. Sie lässt das überzeugende Ensemble auf Reckstangen gegen die Leere und die Einsamkeit anturnen, getaktet von einer klugen Textvorlage und der Redundanz des Arbeitsalltags. Wer den Halt verliert, geht unter.

— Kleine Zeitung